Die Stadt Tondi (1950)

Die Erzählungssammlung lässt Fred von Hoerschelmann als einen erfindungsreichen Erzähler mit einem Scharfblick für menschliche Abgründe erkennen. Die meisten dieser Erzählungen spielen in der fiktiven, an Hapsal angelehnten Stadt Tondi, die mehr die Atmosphäre eines imaginären Baltikums, eines geistig verinnerlichten Raumes bildet, denn als festumrissener Handlungsort bezeichnet werden kann. Dieses Umfeld bildet den Hintergrund, vor dem, in zumeist monologischen oder sich auf eine Figur konzentrierenden Erzählungen, einsame Menschen porträtiert werden. Das Alleinsein wird zum gestaltenden Prinzip, menschliche Dissoziation die Folge fehlender Maßstäbe eines allzu egozentrischen Denkens.

Veröffentlichungen:

Fred von Hoerschelmann: Die Stadt Tondi, München 1950; unverändert erschienen unter dem Titel: Sieben Tage, sieben Nächte, München 1963.

Literatur:

Hagen Schäfer: Historiographie eines imaginären Baltikums und Psychogramm menschlicher Dissoziation. Das Prosawerk Fred von Hoerschelmanns. In: Jahrbuch des baltischen Deutschtums 2012, Lüneburg 2011, S. 142-164.