Die verschlossene Tür (1952)

Das Hörspiel Die verschlossene Tür erzählt die Geschichte des baltischen Barons Kedell, der nach der Umsiedlung aus Estland im Winter 1939 ein zuvor enteignetes Gut zur Bewirtschaftung erhält, in dem sich dessen eigentlicher Besitzer, der Bankier Levi, ein polnischer Jude, versteckt hält. Kedell gibt Levi als seinen Bruder aus und hält ihn auch dann noch versteckt, als er von seiner Frau und seinem Sohn verlassen wird. Im Winter 1944/45 ermöglicht Levi dem Baron die Flucht vor polnischen Marodeuren, die der vorrückenden Front vorauseilen, um Rache an der deutschen Bevölkerung zu üben. Das Schicksal vereint beide zu Brüdern des Unglücks und der Verfolgung.

Anhand eines symptomatischen Einzelschicksals zeichnet Fred von Hoerschelmann ein ungeschöntes Bild der Verhältnisse im von deutschen Truppen besetzten Warthegau. Durch die Vergegenwärtigung der nationalsozialistischen Vergangenheit wirkte dieses Hörspiel verhältnismäßig früh der Tendenz einer stärker werdenden Verdrängung dieses Kapitels deutscher Geschichte entgegen, indem es indirekt an die Hörer appellierte, sich mit der eigenen Rolle in der Zeit des Zweiten Weltkrieges auseinander zu setzen. Darüber hinaus ist es die wohl einzige nennenswerte literarische Darstellung deutschbaltischen Schicksals im Warthegau.

Produktionen (Hörspiel):

SDR, Erstsendung: 09.03.1952 NWDR, Erstsendung: 04.06.1952 ORF Steiermark, Erstsendung: 04.11.1954 NDR, Erstsendung: 31.05.1957

Produktionen (Fernsehspiel):

NWDR, Erstsendung: 15.07.1953 ZDF, Erstsendung: 10.03.1965

Veröffentlichungen (Print):

Die verschlossene Tür. In: Hörspielbuch III, hrsg. v. SDR, Frankfurt a.M. 1952, S. 125-165. Die verschlossene Tür, Hamburg 1958. Die verschlossene Tür. In: Gerhard Prager (Hrsg.): Kreidestriche ins Ungewisse. Zwölf deutsche Hörspiele nach 1945, Darmstadt 1960, S. 73-107. Die verschlossene Tür. Mit einem Nachw. v. Werner Klose, Stuttgart 1987.

Veröffentlichung (Audio):

Produktion NDR 1957: Pidax film media 2015, ISBN: 4-260158-196031

Literatur:

Hagen Schäfer: Das Hörspielwerk Fred von Hoerschelmanns, Berlin 2013, S. 166-212.